Folge 100, September-Oktober 2001

100 Folgen "Banater Berglanddeutsche"
von Herta Drozdik-Drexler im Namen des Bundesvorstandes und der Redaktion.

Vorläufer unseres Mitteilungsblattes waren Rundbriefe. Das erste "Rundschreiben zur Vorbereitung des ersten Heimattreffens der Banater Berglanddeutschen", datiert 10.August 1980, konnte an einige hundert Landsleute versandt werden, nachdem über private Kontakte deren Adresse ermittelt worden war. Ein Jahr später fand das erste Treffen statt, an dem rund 1400 Landsleute aus Deutschland, Österreich und Übersee teilnahmen.. Damit hatte die Idee, einen eigenen Verband zu gründen, eine breite Zustimmung gefunden.

Noch fehlte das Geld für eine verbandseigene Zeitung. Also behalf man sich weiter mit Rundschreiben, die in unregelmäßiger Zeitfolge verschickt wurden und Mitteilungen des Bundesvorstandes an die Mitglieder sowie die Einladung zu den Heimattreffen in den folgenden Jahren 1982, 1983 und 1984 enthielten.

Der zehnte und letzte Rundbrief, datiert 14.Juni 1984, war das "Rundschreiben zur Vorbereitung der Herausgabe eines Mitteilungsblattes". Mit den eingegangenen Mitgliedsbeiträgen und Spenden standen die finanziellen Mittel für die Herausgabe einer verbandseigenen Zeitung zur Verfügung. Die erste Folge erschien im April 1985.

"Glück auf!" - der alte Bergmannsgruß, der auch im Banater Bergland Tradition hatte, war die erste Überschrift. "Mit der Herausgabe des Mitteilungsblattes Banater Berglanddeutscher hofft der Heimatverband die Verbundenheit aller unserer Bergländer erreichen und auch ihre Erwartungen erfüllen zu können und wünscht in diesem Sinne dem Werdegang ihres Heimatblattes ein aufrichtiges Glück auf!" schrieb Bundesvorsitzender Julius A. Baumann. Der Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Das Mitteilungsblatt erscheint seit nunmehr 16 Jahren, derzeit in einer Auflage von 1200 Exemplaren.

Erster Schriftleiter war Julius Baumann (Folge 1 - 41), redaktionell mitgewirkt haben Hildegard Petzold (Folge 1 - 10) und Georg Pischl (ab Folge 11), der nach dem Ausscheiden von Baumann 1991 zeitweilig allein für die Redaktion zuständig war. Zwar hatte man 1992 auf der Mitgliederversammlung in Memmingen formal ein Pressereferat gegründet, das die Schriftleitung übernehmen sollte, dieses Vorhaben ließ sich aber nicht in die Praxis umsetzen. Daher übernahm im November 1992 (ab Folge 47) Herta Drozdik-Drexler die Redaktion des Mitteilungsblattes.

Das Blatt wurde in all den Jahren allein aus Mitgliederbeiträgen und Spenden unserer Landsleute finanziert. Gelegentliche finanzielle Engpässe in den Jahren 1990 - 1993 konnten durch die Herausgabe von Doppelnummern und damit durch die Einsparung von Versandkosten überbrückt werden. Ab Folge 53 konnte der Umfang von bis dahin 8 Seiten auf 12 und später auf 16 Seiten erweitert werden, hin und wieder sogar auf mehr. Für die Folge 100 leisten wir uns 8 zusätzliche Seiten für Farbfotos, mit denen wir in unserem Mitteilungsblatt eine bleibende Erinnerung an die landschaftliche Schönheit, an vertraute Orte, an die Industriegeschichte des Banater Berglandes hinterlassen möchten.

Ab Folge 78 heißt die Zeitung Banater Berglanddeutsche, Plural also. Die Seite 1 hat auch sonst kleine Änderungen erfahren, was Schrifttyp des Titels und Gestaltung des Kopfes angeht, hinzugekommen sind Inhaltsangabe und Platz für die Adresse des Empfängers u.a.m..

Der Name der Zeitung wurde auf Vorschlag von Werner Henn und mit Zustimmung des Bundesvorstandes geändert. Henn überzeugte mit dem Argument, dass der Name zum Ausdruck bringen sollte, dass unsere Zeitung unser aller Anliegen und für alle Landsleute offen ist, alle ansprechen und Meinungsvielfalt widerspiegeln möchte.

Gerne hätten wir alle Berglandorte einbezogen, in denen Deutsche leben bzw. gelebt haben. Das ist uns leider nicht gelungen, weil wir keine entsprechenden Beiträge erhalten haben. Reschitz und Steierdorf, woher die meisten unserer Mitglieder stammen, sind am besten vetreten. Selten oder gar nicht bekommen wir Beiträge über Orte im nördlichen und südlichen Banater Bergland. (Karansebesch, Ferdinandsberg bzw. Orschowa. Moldowa u.a.) Auch die Böhmendeutschen haben sich zu unserem Bedauern nur selten zu Wort gemeldet.
Unsere jüngeren Mitglieder haben frischen Wind in die Redaktion gebracht. Neben Werner Henn, war dies Hugo Balazs, der Vorschläge für das Layout der Seite 1 erarbeitet hat und die Homepage des Verbandes im Internet betreut. Marius Barbu hat als erster regelmäßig Beiträge für die Zeitung beigesteuert, mit denen er insbesondere vielen heimatverbundenen Naturliebhabern Freude bereitet. Robert Fabry hat mit seiner Artikelserie "Nicht nur Bäume haben Wurzeln" das Interesse für die Familienforschung geweckt. Florin Lataretu sorgt dafür, dass die Steierdorfer in der Zeitung regelmäßig präsent sind. Corina Schneider hat eine Brücke zu den Bergfreunden (Prietenii muntilor) geschlagen. Aber es sind nicht nur die Genannten, die dazu beigetragen haben, dass der Inhalt unseres Mitteilungsblattes an Qualität gewonnen hat. Die Namen aller Mitarbeiter zu nennen - es sind inzwischen einige Dutzend - ist unmöglich. Doch gilt ihnen allen unser aller herzlicher Dank. Mein persönlicher Dank gilt insbesondere Franz Kontur und Tibor Lichtfuss, beide inzwischen über 80 Jahre alt. Sie waren von Anfang an dabei und haben sich mit manch wertvollem Beitrag in der Zeitung zu Wort gemeldet. Sie haben meine Arbeit als Redakteurin bis heute wohlwollend begleitet. Ohne die Ermutigung und ohne all die Mithilfe, welche die Redaktion von Seiten der Mitglieder erfahren hat, wäre unser Mitteilungsblatt heute nicht das, was es ist: eine lebendige, von vielen Landsleuten gern gelesene, weil unterhaltsame und informative Regionalzeitung.

Die "Verbandsnachrichten" informieren über das Verbandsleben und die Tätigkeit des Bundesvorstandes. Mitteilungen von Haus zu Haus sind die Glückwünsche an unsere Geburtstagskinder, die Familienanzeigen, die Trauernachrichten. Sie sind ein kostenloser Service für unsere Mitglieder. Über Jahre gehörte dazu auch die Begrüßung der neuangekommenen Aussiedler. Diese Rubrik führen wir heute nicht mehr, nachdem die Aussiedlung aus Rumänien als abgeschlossen gilt und nur noch vereinzelt von dort Spätaussiedler nach Deutschland kommen.

Unsere Mitglieder sind mit wenigen Ausnahmen Vertriebene, Flüchtlinge, Aussiedler und Spätaussiedler. Daher ist es eine wichtige Aufgabe des Blattes, über die aktuelle Rechtslage zu informieren, soweit sie diese Personengruppe betrifft. Da wir keinen eigenen Rechtsberater haben, helfen uns die befreundeten Landsmannschaften der Banater Schwaben und der Siebenbürger Sachsen dankenswerter Weise, indem sie uns ihre diesbezüglichen Informationen zur Verfügung stellen.

Breiten Raum nehmen in unserer Zeitung das Banater Bergland und seine Menschen ein. Beiträge zur Identität der Banater Berglanddeutschen, zu ihrer Geschichte und zur Industriegeschichte, Berichte über die Flucht im Herbst 1944, über die Deportation im Januar 1945, über die Verfolgung einzelner durch das kommunistische Regime, aber auch Beiträge über das Vereinsleben, über Persönlichkeiten aus dem Banater Bergland, über die Integration unserer Landsleute in die hiesige Gesellschaft finden sich in den 100 Folgen unserer Verbandszeitung. Wir haben Bücher über das Banater Bergland vorgestellt und veröffentlichen regelmäßig Nachrichten aus dem Banater Bergland von heute. "Ich habe jede Folge aufbewahrt", sagte kürzlich eine Leserin. "Ich blättere immer wieder mal darin. Das ist ja eine richtige Dokumentation über uns geworden." Diese Worte bestätigen, dass die Zeitung in den 16 Jahren ihres Erscheinens, die Aufgabe erfüllt hat, die sie sich selbst gestellt hat, als Julius Baumann in der ersten Folge schrieb: "Keiner kann allein für sich dastehen, jeder hat mit seiner Existenz ein Erbe zu vollstrecken - wer seine Vergangenheit aufgibt, verliert sich selbst und wird gestaltlos für seine Nachkommen." In den Beiträgen unseres Mitteilungsblattes gewinnt unsere Existenz als Banater Berglanddeutsche noch einmal Gestalt. Im Rückblick vergewissern wir uns unserer selbst und dessen, was wir als Volksgruppe in einem Vierteljahrtausend im Banater Bergland geleistet, erlebt und erlitten haben.

Das Mitteilungsbaltt "Banater Berglanddeutsche" ist im Sinne des Gedichtes von Pfarrer Nikolaus Marcu ein "Geschenk" unserer Gemeinschaft an jeden von uns. Es wird an alle rund 900 Beitragszahler versandt. Sie leben mehrheitlich in Deutschland. Die meisten sind Aussiedler und Spätaussiedler. Unsere Mitglieder in Österreich, den Vereinigten Staaten und Kanada leben seit Kriegsende fern der Heimat. Altersbedingt ist ihre Zahl ist in den letzten Jahren immer kleiner geworden. Interessierte Landsleute in der alten Heimat können das Blatt kostenlos über die Ortsforen beziehen. Freiexemplare versenden wir auch an Institutionen, die sich für die Deutschen in Südosteuropa interessieren. Die Zahl der Leser dürfte die Zahl der Empfänger weit übersteigen, da die Zeitung auch von deren Familienangehörigen und Freunden gelesen wird, wie wir immer wieder erfahren.

Als "Provinzblatt ohne Provinz" - so ein Leser, humorvoll und treffend - hat es mit seinem abwechslungsreichen Inhalt die Sympathie seiner Leserschaft gewonnen. Erzählungen, Berichte, Fotos, Gedichte, Anregungen und, Briefe unserer Leserinnen und Leser - sie alle haben zur inhaltlichen Bereicherung unseres Verbandsblattes beigetragen. Möge dies auch weiterhin so sein, das wünscht sich und Ihnen

Herta Drozdik-Drexler
im Namen des Bundesvorstandes und der Redaktion
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