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Nein zum "Bund der Vertriebenen" - ja zur europäischen Zukunft!

Unser Heimatverband feiert in diesem Jahr sein 25 jähriges Bestehen, eine Zeit in der der Verein und wir alle immer unsere Unabhängigkeit, egal von wem, großgeschrieben hatten.

Wir kamen gut mit unseren eigenen Mitteln aus, brauchten keine Zuschüsse, Fördermittel und waren somit unabhängig und unangreifbar.
Der Verein hat gerade in den letzten Jahren einen Wandel vom traditionellen, auf Brauchtum und Erinnerung fixierten Heimatverein zu einem modernen, weltoffenen und auch technologisch fortschrittlichen Verein im Sinne der Gemeinnützigkeit unter der Vorsitzenden Herta Drozdik und den anderen Vorstandsmitgliedern durchgemacht. Unser Mitteilungsblatt ist Zeuge dafür.

Nun steht ein Generationenwechsel an, die "alte" Vorsitzende und einige andere Vorstandsmitglieder wollen die "Stafette" an die jüngere Generation übergeben. Sie stellen uns aber vor eine Gewissensfrage und zum Teil vor vollendete Tatsachen, was den Bund der Vertriebenen (BdV) angeht. Die einen wollen unbedingt Mitglied im BdV werden und haben sozusagen auch schon die Weichen dafür gestellt, die anderen wollen den Verein so weiterführen wie bis jetzt, unabhängig und politisch unangreifbar.

Aus meiner Sicht gibt es keinen einzigen nachvollziehbaren Grund, warum unser Heimatverein der Banater Berglanddeutschen nun, 61 Jahre nach Kriegsende, 16 Jahre nach dem Fall der Mauer und ein Jahr vor dem Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union dem beitreten soll und sogar muss.

Der Bund der Vertriebenen hat sich nach dem Krieg als reaktionäre und revanchistische Vereinigung gegründet, die die angeblich legitimen Interessen der umgesiedelten deutschen Bevölkerung aus den Gebieten des heutigen Polens, Tschechiens und Rußlands vertreten sollte. Dieses Anliegen haben die Vertriebenenverbände bis in jüngster Zeit vehement vertreten, ohne Rücksicht auf politische Auswirkungen. Die deutsche Wiedervereinigung stand auf
dem Spiel, da Großbritannien zu Recht Angst hatte, ein wiedervereintes Deutschland könnte sich dem Druck ewig Gestriger beugen und Gebietsansprüche gegenüber souveränen europäischen Staaten geltend machen. Bis zum Schluß mußte der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher und später sein Nachfolger Klaus Kinkel die westeuropäischen Freunde und die noch existierende Sowjetunion davon überzeugen, daß die deutsche Außenpolitik sich nicht an Forderungen der Vertriebenenverbänden orientieren wird.

Sogar die friedliche Osterweiterung der europäischen Union stand auf dem Spiel durch Äußerungen der Vorsitzenden des BdV Erika Steinbach, im Bezug auf die "offenen Vermögensfragen" in Polen und Tschechien. Bundestagspräsidentin Dr. Rita Süssmuth mußte noch 1998 die Wogen der "tiefen Irritationen" glätten und der amtierende Außenminister Klaus Kinkel schäumte vor Wut: "Frau Steinbach schadet der deutschen Außenpolitik und weiß gar nicht wovon sie redet."

Nicht genug. Intern war und ist der BdV zerstritten, die Landesverbände sind sich untereinander nicht grün, einige Landesvorsitzende haben keine Scheu auf Veranstaltungen rechtsextremer Gruppierungen aufzutreten und somit die Aufmerksamkeit der Medien, der Staatsanwaltschaften und des Verfassungsschutzes zu wecken.

Wollen wir Mitglied in so einem Verein werden? Brauchen wir das? Was soll uns das bringen? Wem nutzt das? Fragen, die nicht nur ich mir gestellt habe.
Eines wollten wir nie sein: Teil der Banater Schwaben. Dafür haben wir gekämpft, für die Selbständigkeit und Anerkennung. Nun sollen wir uns als Minimitglied eines rückwärtsgewandten Dachverbandes profilieren wollen?

Wenn wir wirklich etwas für die Zukunft unseres Vereins, unserer Kinder und Enkel machen wollen, dann laßt uns Mitglied im Verband "Europäischer Föderalisten" werden und für die Region Banat, seine Menschen und unsere alte Heimat in der Europäischen Union werben. Dafür bin ich bereit im Heimatverband weiterzumachen!!

Werner Henn, stellv. BV seit 1997

   
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