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Zwei Enden einer Geschichte
Am 4.Dezember 2004 wurde einer der beiden Hochöfen von Reschitza gesprengt
von Werner Kremm (Text) und Zoltan Pazmany (Fotos)
Reschitza
- Am vergangenen Samstag, dem 4.Dezember um 16,33 Uhr, ging ein 233jähriges
Kapitel der Geschichte der Reschitzaer Werke zu Ende: der Hochofen Nr.1
wurde gesprengt. Reschitza hatte 233 Jahre lang zwei Hochöfen, die jeweiligen
Nachfolger von "Franciscus" und "Josephus", jenen Hochöfen, die am 3.Juli
1771 von einem Franziskanermönch aus Kraschowa geweiht und getauft worden
waren. Die gegenwärtigen Hochöfen sind 1962 errichtet und 1989 generalüberholt
und modernisiert worden, ohne seither je wieder für längere Zeit in
Betrieb genommen zu werden.
Die Situation der energetischen Versorgung
und der Heranschaffung von Erzen nach dem etwa 1980 einsetzenden Ausklingen
des Erzbergbaus im Banater Erzgebirge (heute gibt es nur noch in Neumoldowa
einen Kupfertagebau), aber wohl auch ein geschärftes Umweltbewusstsein
nach 1989 und die Höhe der Kosten der Erzeugung von Roheisen und Grauguss
fern der Ressourcen an verkokbarer Steinkohle und der Häfen, wo die
Erzfrachter aus der Ukraine, Brasilien oder Indien anlegen, waren Gründe
für die Unwirtschaftlichkeit und letztendlich das Auflassen der Hochöfen
von Reschitza.
Interessant, dass eine der beiden Platanen, die ebenfalls
"Franciscus" und "Joseophus" getauft worden waren und die römisch-katholische
Kirche "Maria Schnee" (die unterhalb des Hüttenwerks steht) flankierten,
in diesem Jahr abstarb und gefällt werden musste (an ihrer Stelle wird
ein Kreuz errichtet) - was wie eine symbolische Vorwegnahme des jetzt
erfolgten Sprengens und der anstehenden Verschrottung des Hochofens
Nr.1. gesehen werden kann. Zur kontrollierten Sprengung des Hochofens
waren 8 kg Sprengstoff nötig gewesen. Verschrottet und anschliessend
im nebenanstehenden Elektrostahlofen zu Stahl geschmolzen werden etwa
80 Tonnen Alteisen.
Der Hochofen musste der Stranggussanlage Platz machen,
die vom neuen Besitzer, dem russischen Stahl- und Rohreproduzenten TMK,
kaufvertragspflichtig (aber auch einer ökonomischen Notwendigkeit folgend)
gebaut werden muss. Bekanntlich haben die Russen das Reschitzaer Hüttenwerk
CSR Anfang 2004 vom rumänischen Staat für einen Euro gekauft, nachdem
eine erste Privatisierung aus dem Jahre 2000 durch die amerikanische
Beraterfirma "Noble Ventures Inc." vom Staat 2002 als gescheitert erklärt
und rückgängig gemacht worden war.
Mitte Dezember erwartet man nun das
Urteil des Internationalen Handelsschiedsgerichts der Weltbank in Washington,
wo sich die amerikanische Firma und der rumänische Staat gegenseitig
auf Schadensersatz verklagten (Noble Ventures Inc. will von Rumänien
360 Millionen Dollar Schadenersatz wegen Bruch des Kaufvertrags, Rumänien
von den Amerikanern aus demselben Grund rund 300 Millionen Dollar).
Das Urteil von Washington könnte ein anderes Ende der Geschichte sein.
Gerüchten zufolge - der Staat und die direkt Implizierten hüllen sich
(abgesehen von obligaten siegessicheren öffentlichen Erklärungen im
Wahlkampf) in Intransparenz - stehen die Chancen Rumäniens schlecht
und auch für eine außergerichtliche Einigung soll es gegenwärtig schlechte
Chancen geben.
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