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Die Berglanddeutschen haben ein Kultur-Zentrum
Am vergangenen Mittwoch wurde in Reschitza das "Alexander Tietz"-Haus eröffnet
von Werner Kremm / 13.10.2004 

"Das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen hat es wieder einmal verstanden, das kulturelle Erbe mit einer Zukunftsvision zu verbinden." So begann Herta Mircea, Geschäftsführerin des Heimatverbands der Banater Berglanddeutschen aus Rumänien in Deutschland ihre Festrede bei der Eröffnung des "Alexander Tietz"-Hauses von Reschitza, des Deutschen Jugend-, Dokumentations- und Kulturzentrums der Banater Berglanddeutschen, das gleichzeitig die deutsche Abteilung der Kreisbibliothek "Paul Iorgovici" beherbergt. Und alle Festredner lobten Bau und Ausführung, vor allem aber die Idee mit ihrer langen und hürdenreichen Vorgeschichte und die Finanzierer, das Bundesinnenministerium Deutschlands über das Hilfswerk der Banater Schwaben und den Banater Verein für Internationale Kooperation "Banatia" mit ihrem Geschäftsführer Horst Martin.

Das Ganze begann im Frühjahr 1995, als Fritz Schatschneider von der "Rumänienhilfe Brake" aus Bielefeld dem damaligen Bürgermeister Mircea Ioan Popa in einem Gespräch die Frage stellte, ob denn die Stadt Reschitza nicht imstande wäre, für die deutsche Abteilung der Kreisbibliothek einen würdigeren Bau als das damalige Hinterhofgebäude zur Verfügung zu stellen. Ein paar Monate später bestellte der Bürgermeister die damalige Leitung des DFBB zu sich und stellte die Frage, ob man sich imstande fühle, aus einem Haus am Hauptboulevard der Stadt etwas zu machen, wenn die Stadt dies zur Verfügung stelle. Man werde es versuchen, war die vorsichtige Antwort von Karl Ludwig Lupsiasca, dem damaligen Vorsitzenden.
Gleichzeitig schlug die Forumsleitung Erwin Josef Tigla als Bibliothekar der umzuziehenden deutschen Abteilung vor, was der Bürgermeister zustimmend zur Kenntnis nahm. Tigla bestand die Ausschreibung. Am 15.Oktober 1995 wurde - ebenfalls im Rahmen der Deutschen Kulturdekade im Banater Bergland, wie die jetzige Neueröffnung - die deutsche Abteilung "Alexander Tietz" im "neuen" Haus eröffnet. Das DFBB begann sich die Umgestaltung des Hauses zu überlegen und wandte sich ans Regionalforum Banat und ans Landesforum um Unterstützung. 2000 genehmigte das Bundesministerium des Innern erst mal 28 000 DM, mit denen das Haus durch das DFBB von der Stadt abgekauft wurde und die Projekte für das jetzige Haus bezahlt werden konnten, welche die Architekten Adina Bocicai und Alexandru Oprea schon in der Andenkphase des Projekts - auf Vertrauen - ausarbeiteten. Im Januar 2003, auf der Planungskonferenz der Foren mit den Vertretern des Bundesinnenministeriums in Hermannstadt, wurde eine erste Tranche von 91 700 Euro für den Neubau genehmigt. Ohne das entschlossene Eingreifen des "Banatia"-Vereins, Januar 2003, durch seinen Geschäftsführer Horst Martin, wäre das Bau-Projekt aber wohl immer wieder durchgefallen oder weiter auf die lange Bank geschoben worden. "Banatia" beteiligte sich an den Baukosten mit 48 300 Euro und so war denn bei der Eröffnung zu Recht wiederholt von der Verbundenheit der Berglanddeutschen zur Stiftung und ihrem Geschäftsführer die Rede. Das BMI stellte 2003 für die Bauarbeiten 91 700 Euro zur Verfügung (letztlich insgesamt 96 700 Euro). Bauausführer war die Firma "BanatConstructii" von Dipl-Ing. Nicolae Plesa.
Hoch anzurechnen ist es dem Finanzamt Karasch-Severin, das das Projekt als Auslandsinvestition einstufte und es in der Folge von der Mehrwertsteuer befreite. Vergleichbar verdienstvoll der Stadtrat Reschitza, der das Haus von allen lokalen Steuern und Gebühren befreite, zeitlich unbegrenzt.

Zur Einweihung schenkte Hans Stendl, der aus Reschitza stammende namhafte Bukarester Künstler, dem Haus acht Graphiken und Montagen von herausragendem Wert, die auch gleich montiert wurden. Die Bronze-Büste von Alexander Tietz (auf Empfehlung von Hans Stendl von einem der besten rumänischen Bildhauer der Gegenwart, dem Bukarester Horea Flamând ausgeführt) hebt ebenfalls den Wert des Neubaus, der stadtviertelverändernd zu wirken beginnt. Die Reschitzaer haben nun, nach langen Jahren, wo sie die deutsche Kulturszene Rumäniens entscheidend prägten, ein eigenes Kulturzentrum.

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